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Rudolf Freiherr von Simolin wurde von MB in 348 Bildnis Rudolf Freiherr von Simolin portraitiert.

https://www.deutsche-biographie.de/pnd117388165.html

LEIPZIG Museum der bildenden Künste 2011, S. 320.
 

Gemäß GÖPEL ERHARD / GÖPEL BARBARA 1976:
Der Sammler Rudolf Freiherr von Simolin (1885-1945) war einer der großen Förderer Beckmanns, in den zwanziger und dreißiger Jahren sein Mäzen und Freund. In seiner Sammlung vereinigte er bedeutende Bilder von Cezanne, Munch, Delacroix u.a. mit etwa 15 Gemälden von Beckmann, darunter Hauptwerken aus den Jahren der engen persönlichen Verbindung mit  dem Künstler. Seine literarische Passion galt Flaubert. Erstausgaben in kostbaren Einbänden, Manuskripte und der Schreibtisch des Dichters waren in seinem Besitz. Außer Wohnungen in Berlin, München und Stuttgart unterhielt Simolin den Familienbesitz Seeseiten, wo die wichtigsten Stücke der Sammlung untergebracht waren und Max Beckmann oft zu Gast war. Simolin war einer der Begründer des Vereins der Freunde der National-Galerie in Berlin. Er war mit Mathilde Q. Beckmann entfernt verwandt.

Wer Simolin kannte, stand unter dem Eindruck seines überlegenen Geistes, seiner umfassenden Bildung, seiner leidenschaftlichen, im Urteil sicheren Liebe zu Kunst und Literatur. Infolge einer Kinderlähmung war er an beiden Beinen gelähmt. Als sein Besitz bei Kriegsende von amerikanischen Truppen beschlagnahmt wurde, nahm Simolin sich das Leben.

Wie sehr Max Beckmann den Sammler schätzte und sich von ihm verstanden fühlte, bezeugen seine Briefe an Simolin:

12. Nov 1929. »Sie wissen doch, dass Sie so ziemlich der einzige Mensch in diesem kleinen Erdenteater sind mit dem ich manchmal so sprechen kann, wie ich wirklich denke.«

20. Aug 1930. »Ich bin heute Abend Strohwittwer. Quappi ist zu dem Wichertvortrag in Basel. [Vortrag von Fritz Wichert, Direktor der Städelschule, in der Beckmann-Ausstellung Basel 1930.] [...] Schade, dass Sie heute Abend nicht hier sind. Ich hätte Lust zu Selbstmord oder endlosen Discussionen, was eigentlich dasselbe ist. Und Sie sind eben doch irgendwie ein verwandter Leidensgefährte dieses elenden Lebens, so schön wie es ist. [...] Es ist schwer immer Neues zu erfinden, nicht wahr Simolin, um dieses Teater nicht in einer unendlichen Öde erstarren zu lassen - es gehört die Disciplin eines Tennischampion, die Weisheit eines Brama und die Servilität eines Kellners dazu. - Nun ich denke wir haben von allen etwas.«

4. Mai 1931. »Übrigens ist unser Doppelportrait intensiv in Arbeit und wird sehr gut. Ich fühle so etwas. Schreiben Sie bald.«

16. Jun 1931. »Da ich heute von meinem Leibarzt erfuhr, dass ich noch ganz gesund bin (genaue Untersuchung sämtlicher inneren Organe) sehe ich mich gezwungen mit einem weiteren längeren Lebensprogramm zu rechnen und bemerke missfällig, dass ich dabei einige Freude empfinde. - Der schöne Hochmut der Lebensverachtung ist notgedrungen wieder etwas in den Hintergrund geschoben. - Und wie gesagt dabei dachte ich an Sie und wie es Ihnen wohl geht.«